Archiv für den Monat: September 2015

León

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Da aufgrund der Feiertage ein verlängertes Wochenende vor uns lag, wollten wir dieses nutzen, um uns mal mehr als San Rafael anzusehen. Freitagabend beschlossen wir, dass es am nächsten Vormittag in die Revolutionshauptstadt León gehen sollte. Mit unseren Rucksäcken bepackt, trafen wir uns zum Geld abheben an der Bank. Bis wir dann los konnten, dauerte es noch eine ganze Weile, da vor dem Bankautomaten eine sehr lange Schlange war. Dann fuhren wir in einem Bus 1 ½ Stunden nach Managua. Dort liegt der Busterminal mitten auf einem Markt (oder der Markt am Busterminal?) und wir waren erst etwas verwirrt. Glücklicherweise rufen einige Personen immer die Richtung der Busse und wir stiegen in einen Expressbus nach León.
In León angekommen stellten wir fest, dass wir sehr weit außerhalb des Zentrums waren. Wir liefen ein ganzes Stück, bis wir zum zentralen Park kamen. Das nächste Ziel war ein Hostel. Als erstes liefen wir in die falsche Richtung, fanden dann aber doch irgendwann das Hostel, welches wir gesucht hatten. Leider hatten die keine Betten mehr frei. Also weiter. In der Zwischenzeit hatte es angefangen zu gewittern und schon zwei Blocks weiter fing es an zu regnen. Unsere Rucksäcke konnten wir noch in Regenhüllen packen, bevor es richtig losging. Auf einmal standen die Straßen 30 cm unter Wasser, ein Gullideckel wurde von der Wucht des Wassers nach oben gesprudelt und wir waren klitschnass, liefen (bzw. schwammen) aber noch weiter, da wir ganz in der Nähe eines Hostels sein mussten. Dann schlug ein Blitz ein paar Meter neben uns ein und uns wurde klar, dass es nicht ganz so sinnvoll war, durch das Wasser zu laufen. Als wir so auf einem hohen Bordstein standen und versuchten, dem Wasser auszuweichen sahen wir dann das Schild von dem Hostel, wo wir hinwolllten. Wir waren gerade vorbei gelaufen.

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Nachdem wir umgezogen und unsere Schuhe mit Zeitungen ausgestopft waren und vor den Ventilatoren hingen, gingen wir abends noch etwas mit dem gerade kennengelernten Anry essen.

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Ihm gehört Más adventures Day Tours. Und wir beschlossen, am nächsten Tag mit ihm Sandsurfen zu gehen.
Am Sonntagmorgen ging es also mit dem Auto zum Cerro Negro. Auf dem Weg sahen wir Sesamfelder und an Kakteen wachsende Drachenfrüchte.

Mit einem Brett bewaffnet bestiegen wir dann den Vulkan Cerro Negro, der das letzte Mal 1999 ausgebrochen war. Wir durften sogar in den Krater, wo Schwefeldämpfe aus dem Boden kommen. Oben angekommen, hatte man eine atemberaubende Sicht; auf die anderen Vulkane und bis zum Pazifik. Wir zogen Anzüge und Schutzbrillen an und surften nacheinander mit unseren Boards den sandigen Vulkan runter.

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León selber ist eine süße Stadt mit sehr viel Leben. Abends ist richtig viel los im Park und in den Straßen und es gibt ein paar mehr Touristen, wodurch wir mal nicht die einzigen ‚Weißen‘ waren.

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Hier werden gerade traditionell Nacatamales gekocht. Sind sehr lecker

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Am Dienstag ging es dann wieder zurück nach San Rafael del Sur.

Muchachos

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Meinen Freiwilligendienst und die dazugehörige Reise bin ich nicht alleine angetreten: Olivia, Matteo und Vincent wohnen wie ich in San Rafael del Sur, alle in Gehweite. Matteo und Vincent sind ebenfalls als Sportlehrer in Schulen in Orten in der Umgebung (Link zu unserem gemeinsamen Blog: https://sportinnicaragua.wordpress.com/). Olivia arbeitet bei Los Pipitos, einer Einrichtung für behinderte Kinder (Link zur Website: http://lospipitos.org/).
Wir kennen uns seit dem Vorbereitungsseminar im Juli und verstehen uns prima. Wir treffen uns fast täglich, um uns auszutauschen, Melonen zu essen oder einfach nur, um gemeinsam etwas zu entspannen. Außerdem planen wir schon fleißig für die Reisen, die in den Ferien und an Wochenenden stattfinden sollen.

Sportunterricht und Festlichkeiten

Managua
Am Montag waren wir mit Rafael, unserem Mentor von CEDRU und Enoc, einem weiteren Mitarbeiter in der Hauptstadt Managua. Dort brachten wir einige Dokumente in eine Universität zur Übersetzung und kopierten jede Menge Blätter, die wir für unser Visum brauchen. Anschließend haben wir uns noch den Präsidentenpalast, die alte Kathedrale Santiago und das Palacio Nacional angeschaut (letztere sind zwei der wenigen Gebäude, die durch schwere Erdbeben nicht komplett zerstört wurden). Auf den mehrspurigen Straßen wurden Obst, Nüsse und Flaggen (für die anstehenden nationalen Feierlichkeiten) verkauft. Ich finde, dass Managua nicht wie eine Hauptstadt wirkt, eher wie ein sehr, sehr großes Dorf mit mehr Verkehr.

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Ich, die neue Sportlehrerin
Am Dienstag hatte ich meinen ersten Schultag. Um kurz vor 7 morgens war ich in der Schule und (mehr oder weniger) bereit meinen ersten Sportunterricht zu geben. Hütchen, Ball und Pfeife lagen bereit. In der ersten Stunde hatte ich die zweite Klasse. Die Kinder waren total süß und haben mir den Einstieg relativ leicht gemacht. Fünfte und Sechste Klasse waren schon etwas anstrengender, da einige Kinder keine Lust haben oder einfach nur Quatsch machen. Nachmittags hatte ich dann noch die übrigen Stufen (also Erste, Dritte und Vierte Klasse). Das ist schon eine breite Altersspanne, aber man kann immer etwas Ähnliches machen, mit unterschiedlichen Ausführungen und Aufgaben. Die Kinder spielen am liebsten Fußball oder ‚Baseball a la patata‘ (Kickball) und die Kleinen ‚tiburón blanco‘ (also ‚Weißer Hai‘), was eigentlich dem Spiel Wer hat Angst vorm schwarzen Mann entspricht.
Mittwochmorgen kam ich wieder um 7 Uhr mit Sportsachen und Ball ausgestattet in der Schule an. Der Unterricht fand dann aber nicht statt, weil die besten Schüler geehrt wurden, was ziemlich lange dauerte, auch weil zwischendurch verschiedene Dinge vorgetragen wurden, Spender gelobt und ich vorgestellt wurde. Nachmittags fand dann wieder normaler Unterricht statt.
Insgesamt würde ich sagen, dass der erste Tag in meiner Einsatzstelle zwar anstrengend, aber doch erfolgreich war.

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Marcha und corrido de la antorcha
Da Montag und Dienstag offizielle Feiertage sind (14.09. Batalla de San Jacinto & 15.09. Día de la Indepencia), finden schon diese Woche etliche Feierlichkeiten statt. Am Donnerstag traf man sich um 7 Uhr in der Schule. Die Kapelle und die Tänzer gingen dann vier Blocks entfernt laut musizierend und tanzend los bis zur Schule, wo schon die anderen Schüler und sehr viele Eltern auf dem Schulhof warteten. Auf der Bühne standen die Direktorin und ein paar Lehrer. Nun wurden die allerbesten Schüler noch einmal geehrt, anschließend die beste Lehrerin, alle sangen gemeinsam die Nationalhymne und einiges mehr. Vorschulkinder und einige Mädchen aus der Fünften führten etwas vor und anschließend stellten sich alle auf, um etwa 1,5km durch das Dorf zu marschieren (natürlich wieder mit Musik).

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Heute wurde ich um 5 Uhr abgeholt, um kurz darauf an der Schule zu sein. Alle etwa 800m hatten sich Kinder aufgestellt, um eine Fackel wie bei einem Staffellauf immer weiter zu geben. Die Fackel wird alle paar Kilometer an die nächste Schule weitergegeben, trotzdem laufen die Kinder und Jugendlichen teilweise weiter mit, so dass es an der Schule schon so dreißig Läufer waren. Natürlich will jeder mal die Fackel tragen und alle versuchen so lange wie möglich (bei einem relativ hohen Tempo) mitzuhalten, selbst die ganz Kleinen schaffen das eine ganze Weile. Ich selbst bin dann auch zweimal ein Stück mitgelaufen, um mal am corrido de la antorcha teilgenommen zu haben.

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Die erste Woche

Eine Woche ist nun schon um und es wird Zeit für meinen ersten richtigen Blogbeitrag. Ich beginne ganz von vorne, aber zu Anfang: Mir geht es gut und gesund bin ich auch. Es ist sehr warm – täglich über 30° (und nachts wird es nicht viel kälter). Ich wohne in einer netten Familie in dem Städtchen San Rafael del Sur.
Am Montag sind wir gegen halb 11 abends am Flughafen in der Hauptstadt Managua angekommen, dort abgeholt und sofort nach San Rafael in unsere Gastfamilien gebracht wurden. Da es mitten in der Nacht war, musste meine Gastmutter erstmal wach geklopft und gerufen werden. Xiomara zeigte mir dann mein Zimmer: Kleiderschrank, kleines Tischchen, Ventilator und ein großes Bett, dessen Qualität ich dann auch sehr bald prüfte, um endlich etwas Schlaf zu bekommen. Die Nacht war nicht sehr lang, aber trotzdem sehr erholsam. Zum Frühstück gab es nicht, wie erwartet Reis und Bohnen, sondern Spiegelei mit Tortilla und dazu ein seltsames Getränk, welches ich inzwischen als Wasser mit Maisgetreide oder ähnliches identifiziert habe. Kurz nach 9 wurden wir Freiwilligen dann mit dem Toyota Pickup von CEDRU eingesammelt und zur oficina gefahren, wo es mit dem ersten Seminartag bzw. dem Kennenlernen losging. Anschließend haben wir die ersten Informationen über unsere Einsatzstellen erhalten. Ich werde an der Escuela Felix Pedro García in El Salto Sport unterrichten. Nach dem Mittagessen fuhren wir dann zum Bildungsminister von San Rafael, um uns vorzustellen und danach zur Schule in San Pablo, der Einsatzstelle von Vincent. Wir durften auf der Ladefläche des Pickups mitfahren – ein Highlight für uns vier. Mit allen Lehrern saßen wir dann in einem Raum zusammen; jeder stellte sich vor, die Regeln für den Sportunterricht und der Stundenplan wurden erklärt und geklärt und einige Dinge mehr, die wir nicht nur wegen unserer fehlenden Spanischkenntnisse, sondern auch aufgrund einer auf dem Schulhof stattfindenden lautstarken Probe der Schulkapelle (viele Trommler & einige Bläser) nur schlecht verstehen konnten. Anschließend gab es noch eine kleine Führung über den Schulhof und einen Snack im Lehrerzimmer. Dann ging‘s auf der Ladefläche zurück in die Stadt und schon war der erste Seminartag beendet.
Später trafen wir uns noch im Park. Der Park besteht aus einem Rondell oder Pavillon in der Mitte, einem Brunnen und vielen Bänken. Alles ist sehr bunt, wie eigentlich die gesamte Stadt. Außerdem gibt es öffentliches Wifi, das anscheinend stark genutzt wird und auch für uns perfekt ist, um mit Familie und Freunden zu kommunizieren. Nur leider schläft zu Hause jeder wenn wir Schluss haben, da Deutschland zeitlich 8 Stunden vor Nicaragua liegt.
Der zweite Tag begann für mich auch schon früh, was aber nicht wirklich schlimm ist, wenn man gegen 21.00/21.30 Uhr schlafen geht (um 18.30 Uhr ist die Sonne weg und es draußen stockdunkel). Morgens bellen sich Hunde gegenseitig an, die Papageien im Garten streiten sich und die Hitze in meinem Zimmer ist fast unerträglich (habe zwar 2 Fenster, kann aber leider keines öffnen). Um kurz nach 9 ging dann der zweite Seminartag los. Wir besuchten die anderen Schulen, wo das gleiche Procedere wie bei der ersten Schule ablief. An meiner zukünftigen Arbeitsstelle bekamen wir eine Rundführung und als ich der zweiten Klasse vorgestellt wurde, umarmten die Schüler mich alle auf einmal. Das hat mich sehr gefreut und mir einen Haufen Motivation für meinen ersten Arbeitstag am Dienstag gegeben. Die waren echt mega süß und haben sich voll gefreut! Außerdem schauten wir uns die Tagesstätte für behinderte Kinder Los Pipitos an, wo Olivia im nächsten Jahr arbeiten wird.
Am Mittwochmorgen war ich das erste Mal auf dem Markt; dieser ist jeden Tag geöffnet und man kann so gut wie alles kaufen.

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Am Donnerstagnachmittag haben wir dann eine Tour durch San Rafael gemacht (auf Dauer und vor allem manchen Strecken ist es auf der Ladefläche dann doch nicht so bequem zu sitzen); das Krankenhaus, eine Kalkfabrik, Wandmalereien der Indígenas, einen Nationalpark und eine weitere Schule besucht und waren dann zum ersten Mal am Strand. Masachapa ist nur 12km von der Stadt entfernt und der Strand ist traumhaft..
Inzwischen sind wilde Pferde- und Kuhherden schon fast normal für uns (und Hunde sieht man auf der Straße ja sowieso überall), aber in den Dörfern spazieren auch noch Schweine frei auf der Straße herum.

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Am Freitag war dann schon der vorerst letzte Seminartag bei CEDRU. Wir mussten Präsentationen über unsere Vorurteile halten, ein Theaterstück mit einem Konflikt aufführen und bekamen dann die Lehrpläne für jede einzelne Stufe. Nachdem noch ein Experte für die educación física einen Vortrag über den Sportunterricht gehalten hat, bekamen wir endlich unsere Stundenpläne und den Plan für das nächste Jahr. Zum Abschluss gab es dann einen sehr süßen, aber leckeren Kuchen und Cola.
Anschließend konnten wir Sportlehrer uns dann noch Material aussuchen, welches von vorherigen Freiwilligen übrig geblieben war. Den darin gefunden Baseballschläger mussten wir dann erstmal auf dem nächsten Sportplatz ausprobieren.
Die ersten Tage bei CEDRU waren eigentlich locker und entspannt, aber trotzdem freuten wir uns auf’s Wochenende.
Am Samstagmorgen haben wir uns dann auf den Weg nach Masachapa gemacht. Am Strand sind nur wenige Leute, das Wasser ist angenehm warm und schön blau und die Wellen sind teilweise ziemlich hoch. (Das einzig Negative: es liegt viel Müll herum- auch sonst in der Stadt, den Dörfern und auf den Straßen- und ab und zu muss man Fischresten auf dem Boden ausweichen.) Das ganze haben wir dann erstmal genossen!