Archiv für den Monat: Oktober 2015

Granada

Letzte Woche am Samstagmorgen um kurz nach 7 saßen wir im Bus Richtung Managua; von dort aus ging es dann weiter in die Kolonialstadt Granada, wo wir als erstes wieder den Weg vom Busterminal zum Zentrum herausfinden und dann eine ganze Weile laufen mussten. Schon auf dem Weg fiel auf, dass Granada komplett anders ist als León. Ganz andere Häuser, sehr viele Kirchen, direkt am Managua-See liegend und im Hintergrund den Vulkan Mombacho.
Nachdem wir unsere Betten in einem sehr zentral liegenden Hostel bezogen hatten, begaben wir uns auf die obligatorische Kutschfahrt. Eine Stunde lang fuhren wir an allen wichtigen Punkten vorbei, während der Kutscher uns in einfachsten Spanisch zu fast allem etwas erzählten konnte.

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Mit einigen Ideen, was wir an diesem Wochenende machen und sehen wollten, spazierten wir zuerst zur Iglesia de la Merced, einer etwas heruntergekommen, aber schönen Kirche. Dort konnte man über eine sehr sehr schmale Wendeltreppe in den Glockenturm hinaufsteigen. Da oben war es wirklich super. Wir konnten über die ganze Stadt sehen, bis zum Vulkan – eine sehr schöne Aussicht. Das einzig negative war das Schild, das uns verbot die Glocken zu läuten.

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Abends suchten wir eine ganze Weile ein bestimmtes Restaurant, nur weil es dort Steinofenpizza geben sollte. Die war echt lecker und mit der Nica-Pizza nicht zu vergleichen. Danach saßen wir auf der Haupttourismusstraße mit haufenweise Nicas und Touristen zusammen und schauten den Leichtgewicht-Weltmeisterschafts Boxkampf El Chocolatito vs. Brian Viloria. Der Nicaraguaner El Chocolatito gewann durch technisches K.O. und alle rasteten total aus und feierten lautstark den Sieg.
Den Sonntag begonnen wir mit einem üppigen Pfannkuchenfrühstück in Kathy’s Waffle House, welches wir bei der folgenden Wanderung durch die gesamte Stadt direkt wieder abtrainierten. Wir gingen zur Antigua Estación del Ferrocarril (Alter Bahnhof), wo man sich sehr alte Eisenbahnwaggons anschauen kann. In die spanische Festung Fortaleza La Polvora konnten wir leider nicht herein, davor spazierten wir kurz danach ein ganzes Stück über den Friedhof, dessen hunderte Steingräber echt beeindruckend sind. Auf dem Weg liefen wir an mehreren Kirchen vorbei und drehten natürlich auch einmal über den Markt (obwohl man sagen muss, dass das auf Dauer langweilig wird, weil die Märkte im Grunde doch alle sehr ähnlich sind).

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Nachmittags machten wir uns dann auf den Rückweg nach San Rafael und starteten Montag in eine neue Arbeitswoche.

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Educación Física

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Das ist der Schulhof, auf dem ich mit den Kindern Sportunterricht mache. Da im Moment Regenzeit ist, ist der Platz sogar etwas grün geworden in den letzten paar Wochen. Wenn es nicht regnet, staubt der Boden bei jedem Schritt.
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In der Pause (und auch während des Unterrichts) kaufen sich die Kinder an diesen Ständen Sandwiches, Repochettas (belegte Tortillas), Getränke und vor allem mega viele Süßigkeiten.
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Die 2A – ich muss zugeben, dass das meine Lieblingsklasse ist.
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Die 5A beim Seilspringen
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einer der Verkaufsstände
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Klassenraum in der Escuela Felix Pedro
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Verkaufsstand in der Pause

Escuela Félix Pedro Garcia

Die Primarschule Escuela Félix Pedro Garcia im Ort El Salto ist noch für die nächsten elf Monate meine Einsatzstelle. Hier werden die erste bis sechste Klasse unterrichtet. Die Schüler kommen entweder zum ‚turno matunito‘ also vormittags, von 7 bis 12 Uhr oder zum ‚turno vespertino‘ also nachmittags, von 12 bis 17 Uhr zum Unterricht. Vormittags sind die Klassen 1 bis 6A dran und nach dem Mittag entsprechend die B-Klassen. Jede Klasse hat einen festen Lehrer (bzw. Lehrerin, es gibt nur einen männlichen ‚profesor‘), der die Klasse durch das Schuljahr begleitet und alle Fächer unterrichtet.; bis auf ‚Educación física‘, den Sportunterricht, denn diese Aufgabe habe ich ja übernommen.
Morgens um 5.45 Uhr klingelt mein Wecker und ich klettere aus meinem Moskitonetz, mache mich fertig und frühstücke etwas. Dann fahre ich mit dem Fahrrad die etwa 4km nach El Salto zur Schule, um um kurz vor 7 da zu sein. Oft bin ich dann noch vor einigen Lehrern da und habe noch kurz Zeit, um mich von dem Berg, den ich zur Schule hochfahren muss, zu erholen. Meistens werde ich aber schon von einigen Erst- oder Zweitklässlern umzingelt und ausgefragt, welche Klassen ich heute unterrichte und ob sie darunter sind. Wenn ich die Frage mit ‚ja‘ beantworten kann, ist die Freude groß und es wird direkt allen Anderen erzählt, die vor oder im Raum rumlungern. Meinen Unterricht strukturiere ich immer ähnlich: Einlaufen, Dehnen, evtl. Lauf ABC, dann ein paar Übungen (z.B. Slalomläufe, mit dem Ball dribbeln, Sprints oder Staffelspiele). Am Ende bleiben dann mit Glück noch etwa 10 Minuten, um ein Spiel zu spielen, oft werde ich von allen Seiten zugetextet, was jetzt wer spielen will und ich muss dann erstmal Ruhe in die Runde bringen, um das folgende Spiel zu verkünden. Oft ist das Fußball, einige Mädchen wollen dann Seil springen (was auch einige der Jungs ziemlich gut drauf haben), die Kleinen spielen gerne Fangspiele und zum Beispiel in der 4A ist man sich meistens sofort einig, dass ‚Baseball a las patatas‘ gespielt wird und zwar ‚varones contra mujeres‘ (also Jungen gegen Mädchen) und natürlich muss ich als weibliche ‚Profe‘ dann beim Mädchenteam mitspielen.
In der Pause setze ich mich zu den Lehrern und unterhalte mich mit ihnen; manchmal bekomme ich etwas zu essen von einer der Klassen (Eltern kochen Frühstück für die gesamte Klasse) oder ein Kind schenkt mir eine Kleinigkeit, wie Kekse oder ein Bonbon, oft hole ich mir auch eine Schokobanane oder ein Hamburger ähnliches Sandwich. Womit wir bei den ‚Kiosken‘ wären: Um kurz vor 8 fangen einige Frauen an, ihre Stände aufzubauen, tragen Tische, Stühle und sehr viele Süßigkeiten und Getränke in die Schule und verkaufen den Kindern dann alles für umgerechnet wenige Cent. Und die Kinder essen echt sehr sehr viele Snacks: Hier ein Lutscher, da eine Limo und dort ein paar Chips. Ich glaube, es gibt echt kein Kind, das ohne ein paar Cordoba in die Schule kommt und sich in der Pause nichts holt.
Nachdem ich nach der Pause alle meine Bälle eingesammelt habe, mache ich mich mit den Rad auf den Weg zurück nach San Rafael, mache einen Mittagsschlaf oder treffe mich mit den Anderen im Park. Danach esse ich zu Hause noch zu Mittag und mache mich bald schon wieder mit meinem Fahrrad auf den Weg zur Schule. Dort komme ich in der Pause an und setze mich erstmal wieder für einige Minuten zu den Nachmittags-Lehrern. Oft werde ich gefragt, was ich am Wochenende gemacht habe oder die Lehrerinnen wollen Dies oder Das über Deutschland wissen, wie es ‚allá‘ (also ‚dort‘) ist.
Es folgt ein ähnlicher Sportunterricht, wie ich schon am Vormittag gegeben habe, immer etwas an die Altersklasse angepasst. Das ist jedoch relativ schwierig, da die Kinder in der Zweiten zum Beispiel zwischen 7 und 10 Jahre alt sind und die in der Sechsten zwischen 10 und 15. Diese Klassen, in denen die Altersspanne so breit ist, empfinde ich auch am anstrengendsten, aber bis jetzt habe ich noch jede Unterrichtsstunde überstanden, auch wenn mich das ein oder andere Kind manchmal zur Weißglut treibt.
Um 17.15 Uhr ist der Schultag dann zu Ende und um die Zeit bin ich meistens auch der einzige Lehrer, der überhaupt noch Unterricht gibt. Die meisten schicken die Kinder einige Minuten früher nach Hause oder lassen noch den Klassenraum fegen, um ihn danach abzuschließen.
Dann mache ich mich auch auf den Rückweg und gehe, angekommen in San Rafael, erstmal kalt duschen, um den ganzen Dreck, Staub und Schweiß loszuwerden.
Später treffe ich mich meistens wieder mit den anderen im Park. Wir trinken Fruchtsäfte, essen Hühnchen, Burritos oder Nachos, reden über unseren Tag oder planen das nächste Wochenende und nutzen das öffentliche WiFi, um mit Freunden und Familie zu kommunizieren, die im Normalfall zu der Zeit aber tief und fest schlafen.

Mercado Huembes in Managua

Am letzten Samstag waren wir in der Hauptstadt Managua, vor allem um ein paar Dinge zu kaufen. Nach einer 1 ½ stündigen Busfahrt stiegen wir, wie schon einige Male zuvor aus und standen direkt inmitten eines riesigen Marktes. Da es in Strömen regnete, sind wir da dann auch erstmal hinein geflüchtet. Hier gibt es einfach alles: Neben Kleidung und Schuhen hängt Fleisch, daneben sind ein Frisör, eine Apotheke und neben dem nächsten Schuhladen gibt es Obst und Gemüse, Reis und Bohnen- alles in großen Mengen. In den Gängen werden wir dauernd gefragt „Qué busca, amor?“ („Was suchen Sie, Liebes?“) und teilweise wird man schon am Arm gepackt und muss aufpassen, nicht in die Läden gezogen zu werden. Sowas wie einen ‚Food Corner‘ gibt es auch. Mehrere offene Restaurants, das heißt überdimensionale Töpfe mit Suppe, große Pfannen über Feuer und ein paar Tische und Stühle. Hier gibt es eine große Auswahl an leckerem und günstigem Essen. Ich hoffe, dass man sich das Ganze mithilfe der Bilder einigermaßen vorstellen kann.

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Las Fiestas Patronales en El Jicaral

Am letzten Septemberwochenende machten wir vier Freiwilligen uns auf den Weg in das Dorf El Jicaral, eine Stunde von León entfernt. Schon am Freitagabend (wie anscheinend schon die gesamte Woche) ging es auf dem zentralen Platz zu, wie auf einer Kirmes: Ein Riesenrad drehte seine Runden, Kinder tobten sich auf Trampolinen aus und an jeder Ecke gab es Essensstände. Von denen machten wir auch bald schon Gebrauch. Wir aßen Fleisch vom Grill zusammen mit Kochbananenchips und Salat- alles frisch, sehr lecker und wie so oft ohne Besteck. Schon beim ersten Rundgang fühlten wir uns wie eine Attraktion, da sich hier her wahrscheinlich noch seltener `Weiße` verirren als nach San Rafael. Am Abend kamen wir bei der Familie unseres Nica-Freundes Anry unter.
Am nächsten Vormittag machten wir uns auf dem Weg zum Fluss. Dort spannten wir zuerst zwei Hängematten und begaben uns dann ins –nicht ganz so- kühle Nass des Flusses. An einigen Stellen war der Fluss einige Meter tief und so begannen wir auf immer höhere Felsen zu klettern und anschließend wieder herunter zu springen. Wir waren die einzigen Personen und die Umgebung war unglaublich schön und ruhig.
Mittags ging es zurück ins Dorf. Das Pferderennen hatten wir nun leider verpasst, aber den Hahnenkampf wollten Matteo und Vincent sich nicht entgehen lassen (Olivia und ich haben stattdessen lieber bei der Familie gesessen und für Anry Bier und Ceviche verkauft. Gegen Abend sind wir dann zurück zu den Häusern, um uns für die ‚Party‘ fertig zu machen. Nachdem wir abends wieder gut gegessen hatten, machten wir uns später auf den Weg auf die Tanzfläche. Der ‚Club‘ war einfach der überdachte und umzaunte Sportplatz, für den nun Eintritt verlangt wurde. Dort spielte eine Band typisch nicaraguanische Musik und die Leute tanzten in Paaren dazu. Und wenn ich in Paaren sage, dann meine ich das auch – neben so manch einem Tanzpaar sahen wir Vier mit unseren Standartbewegungen echt traurig aus. Machte aber auch nicht viel. Wir hatten trotzdem jede Menge Spaß und die Nicas wahrscheinlich auch an uns.
Am Sonntagvormittag wollten wir uns dann eigentlich so langsam auf den Rückweg begeben, da der einiges an Zeit in Anspruch nehmen sollte. Während des Vormittages aber ging es Vincent auf einmal schlecht und er musste sich hinlegen. Leider ging es ihm mit der Zeit eher schlechter als besser und wir konnten die Rückreise mit dem Bus noch nicht antreten. Olivia, Matteo und ich nutzten das aus und konnten uns noch den Hípico ansehen. Sehr sehr viele Reiter auf Pferden (und einer auf einem Ochsen) ritten bzw. stolzierten nach allen Regeln der Dressurkunst die Straße entlang. Das Ganze war ein Wettkampf, an dem Frauen, Männer und auch Kinder teilnahmen und sehr nett anzusehen.
Leider ging es Vincent auch am Nachmittag nicht besser und wir fuhren mit ihm ins örtliche Krankenhaus. Dort bekam er Medikamente und legte sich danach wieder ins Bett. Wir anderen kochten gemeinsam etwas und gingen dann bald schlafen. Am nächsten Morgen fühlte Vincent sich um einiges besser (und sah auch wieder gesünder aus) und so konnten wir uns endlich auf den Rückweg nach San Rafael machen, wo wir nachmittags fertig ankamen.
Am nächsten Tag ging es wieder an die Arbeit.

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ein Reiter beim Hípico
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Hahnenkampf mit mitfieberndem Publikum
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Ausflug zum Fluss